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Redebeitrag der Frauengruppe zum EZB-Zaunspaziergang „Antimilitaristische Perspektiven“

Für uns als FrauenLesbengruppe ist Antimilitarismus eindeutige Haltung und Antimilitarismus ist für uns feministisch. Denn Militarismus, Kapitalismus, Rassismus und Sexismus sind die Grundpfeiler patriarchaler Verhältnisse, sie sind untrennbar miteinander verbunden. Sie bedingen sich gegenseitig.
Wir wollen einen feministischen Blick auf die Auswirkungen militärischer Gewalt werfen und wie im besonderen Frauen davon betroffen sind.
Heute sind 90 Prozent der Kriegsopfer Zivilistinnen und Zivilisten, d.h. es ist sicherer, Soldat zu sein als eine Frau.
Noch nie ging es in einem Krieg – wie in Afghanistan oder anderswo – um Menschen- und Frauenrechte. Die Unterdrückung von Frauen wird zur Legitimation für militärische Intervention und Krieg herangezogen. Neokolonialismus und Globalisierung puschen die Geschlechterfragen zum Schlüsselelement ihrer Interessen. Das Argument der Frauenbefreiung verschleiert den Blick auf die realen Kriegsinteressen.
Um Befreiung von Frauen geht es nie – Krieg zerstört für Frauen grundsätzlich jegliche Option auf Emanzipation oder Eigenständigkeit. Realität ist: gezielt werden systematische Vergewaltigungen und Misshandlungen als Kriegswaffe eingesetzt. Systematische Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen sind Kriegsstrategie und oft ist die Konsequenz für die vergewaltigten Frauen, dass sie gesellschaftlich geächtet werden. Doch nicht nur Soldaten im Kriegseinsatz oder Söldner, die paramilitärisch eingesetzt werden, sind Täter. Auch UN-Flüchtlingscamps, die hier als „humanitäre Unterstützung“ bei Kriegshandlungen wahrgenommen werden, sind Orte von Vergewaltigung und Prostitution von Mädchen und Frauen. Die UN-interne Untersuchungskommission OIOS bestätigt die Berichte kongolesischer Menschenrechtsorganisationen, nach denen auch Blauhelm-Soldaten vielfach kongolesische Mädchen und Frauen vergewaltigt haben – im „Austausch“ gegen Nahrungsmittel oder einen geringen Geldbetrag. Auch die sogenannten „Helfer“ sind Täter.
Krieg zementiert patriarchale Machtverhältnisse und verhärtet die Unterdrückung von Frauen und Mädchen. Auch Mädchenhandel, auch Zwangsverheiratung, auch Zwangsprostitution sind Teile dieser Spirale aus Krieg, Gewalt und Notlage. Krieg zerstört nachhaltig alte bestehende Formen des Zusammenlebens, Krieg zertrümmert soziale Strukturen und schafft Eliten, Herrschaft, Autoritäts- und Machtverhältnisse.
Das Militär ist weltweit ein Ort der Männlichkeit, eine patriarchale Institution. Hier werden Wert- und Ordnungsvorstellungen konstruiert und stabilisiert, die eine weitreichende Wirkung entfalten: Männlichkeit ist mit kämpfenden und aggressiven Vorstellungen verbunden. Das Militär ist der Ort, an dem Vorstellungen von Männlichkeit konstruiert und unter Beweis gestellt werden. Z.B. durch militärischen Drill werden spezielle „männliche“ Fähigkeiten, wie Kampfbereitschaft und Emotionslosigkeit, ausgebildet. Durch körperliches Training, militärische Disziplin und Uniformierung sollen Körper normiert werden. Gleichzeitig werden hier alle auf das Denken in Hierarchien und eine Struktur von Befehl und Gehorsam gedrillt.
Die Logik von Krieg ist verknüpft mit der einfachen aber umso wirksameren Grundannahme, dass die Welt jederzeit in Freund und Feind eingeteilt werden kann. Dieser Dualismus ermöglicht zu entscheiden, welches Land bekämpft werden soll und welche Verbündeten dabei Unterstützung leisten. Diese binäre Denkstruktur taucht auch in anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen immer wieder auf: AusländerIn /InländerIn, Mann/Frau, schwarz/weiß, krank/gesund, gut/böse. Das Verhältnis/ der Widerspruch zwischen Herrschaft und Unterdrückten soll damit nicht weggemacht werden, in diesem Widerspruch bewegen wir uns mit unserem Widerstand.
Aber sonst gilt: Entweder das eine oder das andere, so funktioniert auch die Logik des Krieges. Wäre es möglich, dieses dualistische Denken abzulegen, dann würden Mechanismen der Unterwerfung, Eroberung, Zuschreibung nicht mehr greifen können, da die dazu nötigen Kategorien fehlen würden.
Feminismus ist antimilitaristisch!
Feminismus lehnt Krieg als politisches Instrument für die Durchsetzung patriarchaler Machtverhältnisse ab!
Antimilitaristische Kämpfe können sich nicht nur an Militärausgaben, Waffengeschäften und Krieg unmittelbar orientieren, sondern müssen die Werte in Frage stellen, die Krieg unterstützen und erst hervorbringen.
Auch in sogenannten Friedenszeiten werden überall auf der Welt Mädchen und Frauen vergewaltigt. Das ist Alltagskrieg !
Der Kampf gegen Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist auch ein Kampf gegen die grundlegende Struktur von Krieg und Militäreinsätzen!
Gegen Krieg, Militarisierung und patriarchale Gewalt!
Für eine freie und solidarische Gesellschaft!